Wofür ist die Vollmond-Legung gedacht?
Diese Legung ist für Momente, in denen dir etwas zu schwer geworden ist: eine Gewohnheit, eine Erwartung, ein Groll, eine Rolle, die du nicht mehr spielen willst. Sie eignet sich auch, wenn du beim letzten Neumond eine Absicht gesetzt hast und nun ehrlich prüfen möchtest, was daraus geworden ist.
Loslassen heißt hier nicht, alles Unangenehme wegzuwünschen. Die Legung trennt, was du abgeben kannst, von dem, was du mitnehmen solltest. Viele Menschen werfen in Loslass-Ritualen zu viel über Bord, weil sie im Moment frustriert sind. Karte 3 schützt dich davor. Und Karte 4 erklärt, warum du etwas schon dreimal „endgültig“ loslassen wolltest und es trotzdem noch da ist.
Wenn du nur eine schnelle Einschätzung zu einer konkreten Entscheidung brauchst, ist das Ja-Nein-Orakel passender. Diese Legung braucht etwas Zeit und einen ruhigen Abend.
Das Legebild und die fünf Positionen
Lege Karte 1 in die Mitte, denn sie ist das, was der volle Mond beleuchtet. Karte 2 kommt links daneben, Karte 3 rechts. Karte 4 liegt unter der Mitte, Karte 5 darüber. So entsteht ein kleines Kreuz.
Karte 1: Was ans Licht gekommen ist
Eine Erkenntnis, ein Gefühl oder eine Situation, die du jetzt klarer siehst als vor zwei Wochen.
Karte 2: Was du loslassen darfst
Das, was du nicht weiter tragen musst. Oft ist es kein Mensch, sondern eine Haltung oder Erwartung.
Karte 3: Was du behalten solltest
Der wertvolle Kern, der beim Aufräumen nicht verloren gehen darf. Eine Lektion, eine Fähigkeit, eine Beziehung.
Karte 4: Was das Loslassen blockiert
Die ehrlichste Karte. Sie zeigt Angst, Gewohnheit oder einen versteckten Nutzen, der dich festhält.
Karte 5: Dein nächster Schritt
Eine konkrete Richtung für die abnehmende Mondphase, also die nächsten zwei Wochen.
Welche Fragen eignen sich für den Vollmond?
Die besten Fragen beziehen sich auf etwas, das gerade reif ist:
- Was darf ich bei diesem Vollmond loslassen?
- Was hat mir der letzte Mondzyklus gezeigt?
- Warum komme ich von dieser alten Beziehung innerlich nicht los?
- Welche Erwartung an mich selbst hält mich klein?
- Was aus diesem Jahr möchte ich nicht in den Herbst mitnehmen?
Vermeide Fragen, bei denen du eigentlich eine Vorhersage willst, etwa „Wird sie sich melden?“. Diese Legung richtet den Blick nach innen und auf das, was du selbst verändern kannst.
Wie liest du die Karten zusammen?
Beginne mit der waagerechten Achse: Karte 2 und Karte 3 liegen sich gegenüber und bilden ein Paar. Wenn beide aus derselben Farbe kommen, zum Beispiel zwei Kelche, dann geht es um eine Unterscheidung innerhalb eines Themas: Du lässt eine bestimmte Art von Gefühl los, behältst aber eine andere.
Dann die senkrechte Achse: Karte 4 unten ist das Gewicht, Karte 5 oben die Richtung. Ist Karte 4 eine Große Arkana, etwa Der Teufel oder Der Gehängte, sitzt die Blockade tief und braucht mehr als einen Mondzyklus. Ist Karte 5 dann eine kleine, praktische Karte wie die Acht der Münzen, bedeutet das: kleine, geduldige Schritte statt einem großen Befreiungsschlag.
Karte 1 in der Mitte verbindet alles. Frage dich bei jeder anderen Karte, wie sie mit dieser Erkenntnis zusammenhängt. Bei ungewöhnlichen Paaren helfen dir die Kartenkombinationen im Tarot.
Achte zuletzt auf die Farbverteilung aller fünf Karten. Viele Schwerter bedeuten, dass du vor allem Gedanken und Grübelschleifen loslässt. Viele Kelche deuten auf emotionale Bindungen, viele Münzen auf Dinge, Geld oder Pflichten, viele Stäbe auf Projekte und Ehrgeiz. Wenn eine Farbe ganz fehlt, ist dieser Lebensbereich im Moment vermutlich nicht das Thema, selbst wenn du ihn gedanklich mit auf den Tisch gebracht hast.
Beispieldeutung: die Rolle der ewig Verlässlichen
Miriam fragt beim Vollmond: „Was darf ich jetzt loslassen?“
- Karte 1, Was ans Licht gekommen ist: Zehn der Stäbe. Sie trägt zu viel. Im letzten Monat hat sie für Kollegen, Familie und Freunde Aufgaben übernommen, um die niemand direkt gebeten hat.
- Karte 2, Was du loslassen darfst: Vier der Schwerter, umgekehrt. Den Glauben, dass Ausruhen erst erlaubt ist, wenn alles erledigt ist.
- Karte 3, Was du behalten solltest: Sechs der Münzen. Ihre Großzügigkeit ist echt und schön. Sie muss nur wieder ein Gleichgewicht aus Geben und Nehmen werden.
- Karte 4, Was das Loslassen blockiert: Der Herrscher. Kontrolle. Wenn sie Dinge abgibt, fürchtet sie, dass sie schlechter erledigt werden.
- Karte 5, Dein nächster Schritt: Zwei der Kelche. Ein ehrliches Gespräch mit einem Menschen, mit dem sie Aufgaben teilen kann.
Die Legung sagt nicht, dass Miriam weniger hilfsbereit sein soll. Sie zeigt, dass ihre Hilfsbereitschaft zur Last wird, sobald sie aus Kontrolle entsteht. Ihr Schritt für die abnehmende Mondphase: eine einzige Aufgabe abgeben und aushalten, dass sie anders erledigt wird.
Tipps für eine genaue Deutung
- Schreib vor dem Legen auf, was dich belastet. So erkennst du später, ob Karte 2 das bestätigt oder etwas ganz anderes zeigt. Überraschungen sind hier oft die wertvollsten Hinweise.
- Überspring Karte 3 nicht. Wer nur loslassen will, liest die Legung einseitig.
- Bei Karte 4 nicht verurteilen. Eine Blockade hatte meist einen guten Grund. Frage, wovor sie dich schützen wollte.
- Mach Karte 5 klein. Ein Schritt, den du in zwei Wochen tatsächlich gehst, ist mehr wert als ein großer Vorsatz.
- Vergleiche mit dem Neumond. Wenn du zwei Wochen zuvor gelegt hast, leg beide Notizen nebeneinander.
Für die einzelnen Karten findest du ausführliche Deutungen in den Bedeutungen der Tarotkarten. Wenn die Legung starke Gefühle weckt und du tiefer gehen möchtest, kann eine persönliche Tarotlegung mit mehr Zeit für jede Position hilfreich sein.